Was ist Glück? Gibt’s das überhaupt?

Jeder will glücklich sein, oder? Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich in Buchhandlungen umsieht, Lifestyle Magazine durchblättert, Social Media Posts überfliegt oder ins Kino geht. Der Wunsch nach Glück ist allgegenwärtig.

Alle streben danach, ihr Glück zu finden. In der Partnerschaft, im Beruf, in der Freizeit, durch die Nahrungsaufnahme, mit Sport. Einfach in jedem Lebensbereich.

Doch was ist das  – Glück? Und wie findest du es?

Darauf will dieser Artikel, dessen Inspiration ich durch einen Artikel des wunderbaren Markus Cerenak bekam, Antworten anbieten.

Ohne Glück ist das Leben nicht lebenswert.

Glücklich sein scheint die Antwort zu sein, auf nahezu alles, was dir so an Steinen vor die Füße fällt. Du bist zu dick? Nimm ab und du bist glücklich! Du bist einsam? Geh raus und misch dich unter die Menschen! Dann bist du glücklich. Du hast einen  sch… Job? Such dir einen neuen, der dir richtig gefällt und dann bist du glücklich! Du bist Single? Suche dir einen Partner und du bist glücklich!

Uns wird suggeriert, dass es für alle Probleme, alle Fragen den einen richtigen Ausweg gibt. Nämlich den des Glücklichseins. Wenn du diesen Weg nur eifrig genug befolgst, kommst du an. Im Shangri-la, im Paradies, im Glück.

Aber du brauchst Ausdauer, Mut, Kraft, Geschicklichkeit, einen Plan, heißt es da. „10 Schritte zum Glück“ oder „Der beste Weg ins Glück“.

Uns wird so suggeriert, dass es einen bewussten und stringenten Weg zum Glück gibt. Dass du einfach eine Schritt-für-Schritt-Anleitung befolgen musst, how to do, und dann stellt sich Glück in Folge davon ein. So einfach ist das. So praktisch. Und so falsch.

Warum es keine funktionierende step-for-step-Glücksanleitung gibt.

Glück ist kein Endresultat. Kein Ergebnis, das aus den richtigen gemixten Zutaten besteht. Du kannst nicht eine bestimmte Zeit bestimmte Dinge tun und dann kommt das Glück auch Knopfdruck und ist da. Wie so viele andere Ziele, an denen du arbeitest. Sprachenlernen zu, Beispiel. Das funktioniert. Mit einem Sprachführer, auf der Volkshochschule, mit einem Auslandsaufenthalt. Sechs Wochen Spanischkurs for beginners.

Aber Glücklichsein ist kein solches Resultat. Kein Endprodukt nach einer Bedienungsanleitung. Glücklichsein ist ein Prozess. Glücklichsein ist ein Weg. Und auf diesem Weg stehen nicht alle paar hundert Meter Schilder mit der Aufschrift be happy now. Im Gegenteil, die Zeichen für Glück sind oftmals klein und unscheinbar. Und sie können nur von dem gesehen werden, der von den bescheidenen, wenig glamourösen Helfershelfern unterwegs Notiz nimmt.

Zum Beispiel von der Zufriedenheit. Oder von der Berufung. Von der Ausdauer. Oder einfach das Tun.

Glückliche tun etwas. Etwas Sinnvolles.

Sie liegen nicht am Strand unter einer Kokospalme und hören Reggea oder gehen shoppen. Zumindest nicht nur.

Glückliche Menschen folgen einem Ruf. Einem Ruf, den nur sie hören und der sie anleitet, etwas zu tun, was sie sie gerne tun. Sie sind erfolgreich damit und hören auch nicht damit auf. Sie tun es nicht, um ein Ziel zu erreichen. Um jeden Monat 30 Tsd. Euro zu verdienen. Oder um Macht zu erreichen. Eine Garage voller Oldtimer zu besitzen. Sie tun es, um ihrem Leben Sinn zu geben. Und weil sie es tun wollen.

Obwohl auch nichts dagegen einzuwenden ist, wenn dein Ziel 30 Tsd. Euro pro Monat sind. Glück ist individuell.

Glücklichsein ist somit ein Nebenprodukt. Und die Definition von Nebenprodukt ist „etwas Zufälliges, etwas, das ohne bewusste Anstrengung entsteht“. Glück ist somit ein unangestrengtes, zufälliges Ergebnis von ganz vielen kleinen Tätigkeiten, Gewohnheiten und Maßnahmen oder Erlebnissen, die dir in deinem täglichen Leben begegnen. Und die dich zufrieden machen, deinem Leben Sinn geben, dir Erfolgserlebnisse bringen.

Es gibt viele solche alltäglichen, mehr oder weniger zufälligen Helferlein, die die Wegbereiter des Glücks sind.

 

Glücklichsein – fünf einfache Maßnahmen, die dich glücklich machen.

1. Sei bewusst – lebe im Hier und Jetzt

Schalte mal dein Großhirn aus und lass dein Reptilienhirn für dich fühlen. Das Limbische System oder Reptilienhirn ist der Sitz der Emotionen. Dort laufen alle Empfindungen zusammen, die aufgrund von äußeren Reizen und Wahrnehmungen auf dich einwirken. Egal ob du traurig bist oder glücklich, entspannt oder nervös, ärgerlich oder fröhlich. Alle Empfindungen werden hier wahrgenommen und dein Körper reagiert darauf. Vollkommen unbewusst, ohne dass du deinen Verstand einschalten musst. Zugegeben, das ist oftmals genau das Problem.

Doch lass es uns hier mal von der positiven Seite betrachten. Stell dir vor, es ist ein kalter Wintermorgen, du gehst auf die Terrasse, es ist Minus 7 Grad. Die Sonne scheint, dieses blendend weiße Winterlicht, in das du nicht hineinschauen kannst. Jetzt hast du 2 Möglichkeiten: die erste, du ziehst bibbernd die Schultern hoch und denkst darüber nach, dass die Heizkosten in diesem Winter wieder ins Kraut schießen werden. Und dass du dich auf den Frühling freust, wenn es laue 18 Grad haben wird.

Die zweite Möglichkeit ist, dass du dein Gesicht mit geschlossenen Augen in die Sonne hältst und wahrnimmst, dass selbst diese kalte Wintersonne die Kraft hat, dein Gesicht zu wärmen. Und dass du deinen Körper spürst, wie er dich warmhält und schützt. Dass du dich auf ihn verlassen kannst.

Was glaubst du? Was macht dich glücklicher, zufriedener? Welcher Gedankengang? Der, der in die Zukunft gerichtet ist – mehr Heizkosten, wann wird’s endlich Frühling? Oder der, der im Hier und Jetzt ist?

Ich will dich motivieren, das Hier und Jetzt wahrzunehmen und dich daran zu erfreuen. Es bewusst zu empfinden, es wirklich zu leben. Diesen Moment als Kraftbringer, als Energie zu erleben, das ist Glück.

2. Lesen

Abgesehen davon, dass lesen dich inspiriert, dich klüger, wissender, weiser und was auch immer macht: Lesen entspannt. Und zwar total. Dein Unterbewusstsein bekommt ein Signal, dass es jetzt eine Zeit lang Ruhe ist. Alleine wenn du dich schon in deinen Lesesessel setzt oder auf’s Bett, egal wo du gerne liest. Dein Körper reagiert bereits mit einer Senkung des Blutdrucks und der Atemfrequenz.

Okay, vielleicht geht er später wieder nach oben, wenn du zum Beispiel einen Horrorschinken liest.

Doch grundsätzlich gilt: beim Lesen kannst du nicht gleichzeitig aktiv und busy sein. Beim Lesen darfst du sitzen oder liegen und basta. Vielleicht noch Musik dazu hören. Soll‘s ja geben, dass Leute bei deutlichen Nebengeräuschen entspannt lesen können.

Aber egal, ob du Sachbücher oder Romane liest, dein Geist wird aktiv und entspannt sich doch gleichzeitig.

Als Kind habe ich meine Nase ständig in Bücher gesteckt. Ich las alles, was ich finden konnte und was mich interessiert hat. Selbst heute kann es mir passieren, dass ich über einem interessanten Lesestoff das Essen vergesse, das Zubettgehen.

Wenn du liest, bist du ganz bei dir und den Protagonisten des Buches. Oder bei der sachlichen Thematik. Du bist in einem eigenen Kosmos und das tut dir gut. Es macht dich zufrieden, weil es dabei nur um dich und deine aktuellen Bedürfnisse geht. Und es bedeutet Macht zu haben, Macht über deine Zeit. Also Macht über dein Leben. Das ist Glück.

3. Andere begeistern

Sich alleine an schönen Momenten freuen ist schön und macht glücklich. Doch weitaus schöner und glücklicher macht es dich, wenn sich andere mit dir freuen. Es heißt ja auch nicht umsonst im Sprichwort: geteilte Freud‘ ist doppelte Freud‘.

Und wenn du das Ganze weiterdenkst, dann gilt das auch für deine persönliche Selbstverwirklichung. Auch die macht dir mehr Freude und bringt tollere Glücksmomente, wenn du andere daran teilhaben lässt.

Die eigene Selbstverwirklichung wird erst dann so richtig gut, wenn andere Menschen davon partizipieren, sie also auch ihren Nutzen oder Gewinn davon haben.

Klar teilst du die richtig schönen Dinge im Leben idealerweise mit den Menschen, die du liebst. Deinem Partner, deinen Kindern, Freunden, Familie.

Aber ich meine noch etwas anderes. Nämlich, dass dein Tun, deine Erkenntnisse auch andere Menschen, sogar wildfremde, inspirieren. Ihnen Mut machen, sie motivieren. Denke doch mal kurz an die Kassiererin im Supermarkt nebenan. Wie oft hast du dich schon gefragt, warum sie meist so brummig ist? Ob sie zum Lachen in den Keller geht?

Und jetzt stell dir vor, du geht’s morgen einkaufen und an der Kasse räumst du nicht schnell deine Sachen in die Einkaufstasche, bezahlst und gehst tschüß murmelnd hinaus. Nein! Du hältst kurz inne, nimmst Augenkontakt mit der Kassiererin auf und sagst ihr, dass du dich gefreut hast, sie heute hier wieder zu sehen. Und du ihr einen schönen Tag, Feierabend oder was auch immer wünscht. Du kannst mir glauben, sie wird nicht zum Lächeln in den Keller gehen, sondern hier und jetzt freudig zurücklächeln. Du hast einen kleinen Funken in ihr zum Leuchten gebracht, sie mit deinem Tun erfreut. Und du hast dir selbst dabei eine noch größere Freude gemacht. Denn andere mit deinem Handeln begeistern, das ist Glück.

4. Gehe in die Natur

Die Natur ist einer der größten Glückslieferanten. Jeder, der bewusst durch einen Wald, über eine Wiese oder entlang eines langen Standes geht, wird bestätigen können: in der Natur wirst du glücklich. Nirgendwo wird dir das Großartige der Schöpfung so bewusst, nirgends sonst wird der Mensch sich seiner Verbindung mit dem Kosmos, der universellen Energie so klar. In der Natur hat alles seine Ordnung. Selbst ein vermeintlich unordentlicher Wald, in dem umgestürzte Bäume ineinander verkeilt liegen bleiben, hat seine Ordnung. Milliarden kleinster Lebewesen verstoffwechseln Fasern, Rinde und Blätter, und schaffen nach einer gewissen Zeit die Voraussetzung für neues Wachstum. Wir erkennen in diesem ewigen Kreislauf, dass wir selbst ein Bestandteil der ewigen Energie des Kosmos sind. Und wir lernen, dass durch die Ausgewogenheit der natürlichen Abläufe Neues und Schönes wachsen kann.

Werfen wir einen Blick in die Sonne, die durch den dichten Blätterwald scheint oder heben unser Gesicht in den feinen Nebeldunst, der am frühen Morgen an der Meeresküste aufsteigt. Dann spüren wir das Leben. Und Leben ist Glück.

5. Schätze, was du hast

Du bist umgeben von unglaubliche vielen Dingen, die dein Leben lebenswert machen. Gerade in der heutigen Zeit solltest du dir das ganz genau bewusst machen.

Wenn du hier in Mitteleuropa lebst, hast du seit fast 70 Jahren keinen Krieg mehr erlebt.

In der Regel beherbergen deine Schränke und Truhen so viele Kleider und Gegenstände des täglichen Lebens, dass du gar nicht mehr weißt, was da alles drinnen versteckt liegt oder hängt.

Du hast uneingeschränkten Zugang zu Bildung und Weiterentwicklung, egal welches Geschlecht du hast.

Du kannst dir jederzeit sicher sein, in bei Krankheit oder Unfalle eine ärztliche Versorgung zu bekommen. Trinkbares Wasser steht dir uneingeschränkt zur Verfügung, die Regale in den Supermärkten quellen über vor Lebensmittel.

Erkenne, dass du an jedem Tag deines Lebens mit unglaublich vielen Momenten und Dingen gesegnet bist, die dein Leben schön machen können, wenn du es erlaubst. Denn all das, was dir und mir in unserer „zivilisierten Welt“ selbstverständlich ist, wird für viele Menschen auf dieser Welt noch lange oder sogar für immer unerreichbar bleiben.

Sei dankbar für die vielen Menschen, die Tag für Tag Unglaubliches für dich tun. Von deren Wissen und Energie du profitiren kannst, deren Lebensfreude dich ansteckt oder deren Kritik dich motiviert, dich zu entwickeln, zu wachsen.

Schätze was du hast und gib einen kleinen Beitrag dazu, dass auch andere Menschen ein Stück weit glücklicher werden.

Glücklich sein ist also kein Ziel, kein Endergebnis.

Es ist eine Aneinanderreihung vieler kleinerer, oder auch größerer, intensiver und bewusster Momente in deinem Leben.

Je bewusster du sie wahrnimmst und erkennst, desto glücklicher wirst du sein.

In diesem Sinne: Feel good. Be happy.